REISELOG: PYRENÄEN 2017 Teil 9 – Cerler und Grenoble

So, irgendwann hat alles mal ein Ende und nun kommen wir zur leider zur letzten Tour, bevors morgen nach Hause geht 🙁

Zuerst stand der Besuch der 3 Wasserfälle an, Les Tres Cascades oberhalb von Cerler, dem Skiort in der Nähe von Benasque.

Hier haben wir eine schöne Rundwanderung gemacht, einmal die Wasserfälle abgeklappert, bis kurz vors Örtchen Cerler und wieder zurück zum Wanderparkplatz. Ein kleiner Schlenker durch Kiefern- und Dorngestrüpp hat den Schwierigkeitsgrad etwas erhöht 😉

Sehr interessant ist, dass es hier seit Jahrhunderten angelegte Terassen für Getreideanbau aber auch für eine „Fußschonendere“ Beweidung gab.

Nass hier
Wasserfall
Der Rundumblick über die Terassen
Ausspannen bei Banos de Benasque

Nach dieser kleinen Wanderung sind wir dann nochmal neugierdehalber nach Banos de Benasque gefahren, ein „Badeort“ …

ganz oben am Berg gibts ein Kasernenähnlich anmutendes Hotel, welches Komplett uninteressant ist, aber drunt im Tal fließt der bereits bekannte Rio Esera entlang und wir fanden eine sehr schöne Stelle, an der man sich umgeben vom Eiskalten Wasser auf den Felsen zum Sonnen niederlassen konnte.

Unseren Abschlussabend verbrachten wir in einem der besseren Restaurants am Platze in Benasque und haben wieder sehr gut und trotzdem Günstig gefuttert. Ein ganzes Menü für 15 Euro … wow …

Am nächsten Tage brachen wir zu unserem nächsten Etappenziel auf. Da wir die Strecke wieder teilen wollten, haben wir uns auf der Hälfte der Strecke die Stadt Grenoble ausgesucht. Berichte im Netz über die Stadt klangen gut, die südliche Umgebung kannten wir ein wenig von letztem Jahr, in Grenoble kommen sozusagen die Nordspitze des Vercors, der Süden der Chartreuse und die Französischen Alpen zusammen, nur getrennt durch das Tal der Isere.

Genug Zeit für Hape Kerkeling „Ein Mann , ein Fjord“ und den Anfang von „Der Junge muss mal raus“ hatten wir, also auf wieder durch den Süden Frankreichs bis zum nächsten Gebirge. Interessanterweise vom Höchsten Gipfel der Pyrenäen zum höchsten Gipfel der Alpen, denn Grenoble liegt in Sichtweite des Mont Blanc …also, wir sind gespannt.

Wenn man ein bißchen in die Gugel-Karte reinzoomt, sieht man wieder, daß der Weg von Benasque nach Frankreich wieder eine ganz schöne Tour geben wird, einmal rum ums Maladeta-Massiv auf die Ostseite des Aneto ins Val d´Aran in Katalonien. Sehr interessant ist der Hinweis auf die Kulturelle Eigenständigkeit dieses Gebietes, die sich im Falle der gerade aktuellen Unabhängigkeitsbestrebungen Kataloniens eventuell ein eigenes Anstreben … verrickt …

Leider wurden unsere Pläne, in Spanien nochmal ordentlich einzukaufen selbst in der größeren Stadt Vielha zunichte gemacht. Zuerst dachten wir an irgendwas wie Generalstreik, aber so wie schon letztes Jahr haben wir mal wieder den Kolumbus-Tag verpasst, den Spanischen National-Feiertag. Na immerhoin hatte kurz vor der Grenze noch ein kleiner Schnapsladen offen, wo ich ein paar Whisky-Schnäppchen machen konnte, yeah.

Nach etwas über 2 Stunden verließen wir dann Spanisches Hoheitsgebiet und begaben uns auf den Highway zum nächsten Gebirge. Sonniger Tag, Südfrankreich, die Provence und das Rhone-Tal in schönstem Lichte … herrlich. Erst die Einfahrt nach Grenoble wurde leider etwas durch einen Stau ausgebremst. Ein nettes kleines Hotel in der Nähe des Bahnhofes mit Parkplatz davor … topp, bis auf den Hinweis des Portiers, dass die Karre evtl. wegen des deutschen Nummernschildes aufgebrochen werden könnte …

Nagut, alles von Wert rausgeholt und erstmal eingecheckt. Hunger und Neugier trieben uns dann im Abendlichte in die Stadt und so machten wir trotz Reisemüdigkeit noch einige Kilometer durch die ansprechende und quirlige Altstadt von Grenoble. Nach einem erstklassigen Indischen Essen und ein paar Bierchen gings dann spät zurück ins Hotel.

Der Plan war, am nächsten Morgen nach dem Frühstück mit der Stadt-Seilbahn auf die Zitadelle hochzufahren und noch ein wenig Sightseeing zu machen, bevor wir uns wieder auf den langen Ritt nach Hause begeben würden.

Der Blick über die Stadt nach Osten
Blick nach Norden, irgendwo da muss er sein …

 

Ja, das Tele zeigt den dicken Watz. den Mont Blanc

Alles super, tolles Wetter, tolle Aussicht, abgefahrenes Gefühl so über eine Stadt gucken zu können und dazu halt der Blick zum King of the Alps, dem Mont Blanc, trotz noch fast 113 km Luftlinie Entfernung … krasse Nummer.

Nagut, irgendwann hat alles mal ein Ende und so brachen wir dann gen Mittag auf, sattelten die Rote Rumänen-Rakete und schossen gen Norden.

Typischerweise, so wie erwartet, man rockt die ganze Zeit durch Frankreich und sobald die Autobahn die Grenze nach D überquert, fahren die Leute wieder Scheiße und der Verkehr wird stockiger …

Bis kurz vor Karlsruhe haben wir uns dann zäh durchgequält, aber dann zack, Stau. so richtig mit 100 m in 45 Minuten … Zum Sonnenuntergang haben wir uns dann auf eine Nebenstrecke über Baden-Baden und Ettlingen durch die Pampa abgesetzt und man kam so wenigstens etwas vorwärts.

und dann, waren wir irgendwann daheim 🙂

Schee wars … leute , fahrt in die Pyrenäen, solange es die noch gibt (?), wundervoll da …

Liebe Grüße von Astride et Jeurge

 

REISELOG: PYRENÄEN 2017 Teil 8 – Forau d Aigualluts

Ja. wies so oft ist, kaum ist man wieder daheim, gibts keine Zeit mehr fürs Reiseblog …

Aber da ich hier nicht ohne noch die letzten Erlebnisse schliessen möchte, gibts noch ein wenig Nachschlag 😉

Am Tage nach der Wanderung zum Aneto gingen wir die Geschichte etwas ruhiger an, da mein Knie noch vom Vortage lädiert war.  Also nix Anstrengendes mit viel Kletterei … so der Plan.

Bei der Auswahl einer geeigneten kleinen Wanderung stießen wir aufgrund der Kartenbeschreibung und ein paar Internet-Berichte auf den Forau d’Aigualluts

Da der Wiki-Artikel auf Spanisch ist, hier die Erklärung dazu : Das Gebiet im Tal oberhalb von La Besurta ist sozusagen das karstige Quellgebiet des Rio Esera , dessen Ursprung am Aneto-Gletscher liegt. Nachdem das Wasser vom Berghang hinunter sich im Tale gesammelt hat, fließt es erst durch einen kleinen gerölligen Canyon, dann in friedlich mäandernden Bächlein über ein Wiesenbewachsenes Tal um plötzlich über einen Wasserfall hinein in  eine große Karsthöhle zu stürzen … damit verschwindet auch der Bach und erscheint erst wieder einige Kilometer später oberhalb  von La Besurta als Rio Esera.

Gut, Kniebandage angelegt, heute mal statt der fiesen Bergstiefel nur die Trekkings angezogen und los gings. Von la Besurta wandert man auf guten Wegen ca. 150 Höhenmeter, teils über leichte Anstiege und Wiesenstücke, bis man eingesunkene Gräben sieht, die wohl zu Hochwasserzeiten geflutet sind, oder eingesunkene Stellen des Unterirdischen Rio Esera sein könnten. Nach etwas weniger als einer Stunde erreicht man die Engstelle im Tal, an der der Fluss verschwindet und oberhalb derer der Wasserfall hinabrauscht.

Vor dem Wasserfall

Ein paar Meter weiter, um die nächste Kuppe,  sieht mans auch schon hinabrauschen.

Der Wasserfall

Nun, der Wasserfall selber ist jetzt nicht so spektakulär, aber eingebettet in die landschaft, mit Ihro Majestät im Hintergrund, is schon echt schee.

Am Wasserfall vorbei, befindet man sich in einem Ovaligen Tal von so rund 1 Kilometer Durchmesser mit absolut flachem, Grasbewachsenem Talgrund, vermutlich das Schwemmgebiet, bevor sich das Gewässerchen den Fall hinunterstürzt. Am Rande davon haben wir eine tote Kuh entdeckt und bald auch gerochen … wahrscheinlich beim Klettern Free Solo abgestürzt … dummes Tier, ohne Daumen keine Sicherung zu benutzen …

Aber idyllisch schön hier, wie die kleinen Bächlein flach und Kristallklar durch die Wiese mäandern ..

Aigualluts

Die Neugier treib uns aber weiter Bachaufwärts und so erklommen wir auf der anderen Seite des Baches den Hang des Taleinschnittes dahinter um festzustellen, dass dieser sich immer mehr zu einem kleinen Canyon entwickelte. An einer Steilstelle, an der Astrid den Vorstieg ohne Equip getest hat, beschlossen wir aufgrund des lädierten Knies wieder zurückzugehen. Tatsächlich entdeckten wir auf der anderen Seite des Canyons nach dem ersten Steilstück, der Weg um einiges besser aussah und so gings weiter nach oben.

Immer den dicken Berch im Blick, aber auch die Uhr und die Knieschmerzen, beschlossen wir uns ein schönes Plätzchen für die Mittägliche Rast zu suchen. Dies fanden wir auf einem großen Felsbrocken inmitten plätschernder Bächlein, in denen ich erstmal wieder die Wasservorräte auffüllte. So weit oben muss das Wasser OK sein und es schmeckte wirklich herrliche nach frischem Gletscher 😉

Päuschen

 

Der Blick nach oben

Nach einem schönen Päuschen in der Mittagssonne inmitten plätschernder Bergbäche gings dann wieder hinunter.

Auf dem Rückweg über den flachen Talkessel haben wir uns dann ein  wenig im Gewirr der kleinen Bächlein „verirrt“ und mussten dann durch einen der Bäche hindurchwaten um auf die andere Seite zum Weg zu gelangen, kurz vor dem Wasserfall. Keine große technische Herausforderung aber sehr spassig. Astrid hat nasse Schuhe riskiert aber ich hab meine ausgezogen, die Hose hochgekrempelt und dann ein paar Meter durchs Eiskalte Bergwasser

gelaufen … total geil …. wenn der Schmerz nachlässt 😉

Scheee kalt

nach dieser kurzen Erfrischung haben wir uns noch ein paar Minuten in die Sonne gehockt um dann den Rückweg weiter anzutreten.

Alles in allem eine sehr schöne Wanderung, was eigentlich als Spaziergang geplant war, hatte trotzdem nochmal so knapp 350 Höhenmeter pro Richtung mit drin. Also als Entspannungstipp definitv super.

Soweit dazu, bis zum nächsten Teil

 

REISELOG: PYRENÄEN 2017 Teil 7 – Maladeta und Aneto

An diesem Tage lernten wir die Macht des Hochgebirges am Maladeta-Massiv kennen.

Wir starteten auf dem Parkplatz bei La Besurta, was im Prinzip nur eine Grillhütte mit Klo zu sein scheint, also nicht einmal mehr eine Ortschaft.  Die „richtige“ Straße endete schon einige Kilometer zuvor bei El Hospital.

Weiter ging ein abenteuerlich holpriger Feldweg bis zur Besurta. Hier stand man schon direkt unter der Nordseite des Maladeta, mit Blick auf die Gipfel rund um den Pico de Maladeta und die darunterliegenden Gletscher. Leider war der Aneto von hier aus noch nicht zu sehen. Wir machten uns an den Aufstieg zum Refugio de la Renclusa . Easy , 40 Minuten , kein Problem und ein schonmal ein vielversprechender Ausblick. Ich sehe grad, die haben auch eine Website mit Webcam .

Hoch zur Renclusa

Von dort aus hatten wir grob den Portillion Superior angepeilt, weil es hier wohl den Hauptweg (höhö) in Richtung der großen Gipfel geben soll

Geröll fast ohne Wegmarkierungen
Stunden später kurz vorm Sattel zum Portillion

Nun, die Spanier sind im Vergleich zu den Franzosen seeehr sparsam mit ihren Wegmarkierungen und so hatten wir eine ziemliche Kletterarbeit über steil ansteigendes Geröll mit Wasser und Eis vor uns … selbst ein „Profi“ mit GPS-Tracker, Ramon aus La Coruna, auf dem Weg zum Maladeta-Gipfel begegnete uns öfters, verzweifelt nach dem Weg suchend.

Es war extrem anstrengend die ganzen dicken Boller heraufzuklettern und ständig weiter nach dem Weg Ausschau zu halten. Ungefähr 1 Stunde später begegnete uns der Profi aus La Coruna schon wieder, immer noch nach seinem Weg suchend, an seinem Garmin zweifelnd und langsam die Hoffnung auf den rechtzeitigen Gipfelsturm aufgebend. So war es auch für uns interessant, dass der vermeintlich gut einsehbare Hang dann doch so unübersichtlich war, dass wir den Kollegen Bergsteiger trotz bunt leuchtender Klamotten in der Zwischenzeit gar nicht mehr gesehen hatten … die Dimensionen am Berg sind schon echt sonderbar … vor allem wenn man sich später nochmal die Fotos anschaut, wenn das Weitwinkelobjektiv zwar viel vom Objekt und der Landschaft einfängt aber dann doch die Dimensionen irgendwie klein staucht („Sieht doch gar net so dramatisch aus „).

Erstmal Päuschen

Nunja, nach einem Päuschen um ein wenig den Überblick zu gewinnen, entschlossen wir uns dazu, den Sattel des Portillion zu überschreiten und uns an dessen Ostflanke ein hübsches Plätzchen mit eventueller Sicht auf den Aneto zu suchen.

Das klappte erstaunlicherweise auch ganz gut, trotz weiter schwierigen Geländes konnte man sowas wie einen Weg erahnen und uns trieb die Neugier immer weiter vorwärts … wann würden wir endlich um die „Ecke“ blicken können , auf den King of the Pyrenees.

Und endlich, irgendwann gen halb 2, also knapp vor der Umkehrzeit, erreichten wir eine letzte Kuppe mit einladend flachen Sitzgelegenheiten mit fantastischem Blick auf den Gipfel samt Gletscher in der gleißenden Mittagssonne.

Ihro Majestät, zum greifen nah
Aussicht genießen, Mittagspause und Fotos machen

Unser Pausenplätzchen müsste nach widersprüchlichen Angaben von Trackern auf dem Handy und meiner kleinen GPS-gefeatureten Kompaktkamera irgendwo unterhalb des Portillion Inferior gewesen sein, in einer Höhe von rund 2750 m. Unser Ziel, die 3000er Marke zu erreichen oder gar das Schneefeld vorm Gipfel hätte nochmal eine Menge Kraft und Zeit gekostet, mit 4,5 Stunden Aufstieg bis zu diesem Punkt wäre es extrem Risikoreich geworden, hier noch weiterzugehen. Aber wenigstens noch diese herrliche Aussicht, nicht nur in Richtung Aneto, sondern über einen großen Teil der hohen Pyrenäengipfel der Umgebung.

Der Gipfel

Just nachdem ich das 300er Tele aufgepflanzt hatte, knatterte plötzlich ein Rettungshubschrauber der Guardi Civil über uns hinweg und schien minutenlang etwas hinter dem Gipfel des Portillion Superior zu suchen. Dort schien irgendetwas passiert zu sein.

Rettungseinsatz ?

Dann sucht ich mit dem Tele noch ein wenig den Aneto-Gletscher ab und tatsächlich konnte man dort, rechts unter dem Gipfel auf dem Collado de Coronas ein paar fleißige Bergsteiger erkennen.

Ein paar Kraxler

Reeeespect Jungs, anerkennender Neid von uns 😉

Aber Dingdingding .. 14:00 Uhr !!! Umkehrzeit, schnell raus aus der Todeszone 😉

So machten wir uns wieder an den Abstieg, der über den Sattel wieder zurück auf den Hang oberhalb des Refuge führte. Leicht ermüdet, aber frohes Mutes ging alles gut bis wir das Refuge gut im Blick hatten und noch schätzungsweise 50-60 Minuten Absteig zur Hütte vor uns hatten. Dass es Anstrengend wird mit langen Schritten über die Felsblöcke nach unten zu steigen war klar, daher war ja auch unsere Rückkehrzeit festgelegt.

Dass allerdings soweit oberhalb der Hütte mitten im Hang auf einmal in meinem rechten Knie ein reißender Schmerz oberhalb des Meniskus das weiterklettern unmöglich machte, änderte die Situation erstmal völlig. Scheiße. Was tun ? vorsichtig weitermachen ? Selber nen Heli alarmieren ? Fuck ….

Man kennt ja die Schmerzen , wenn Gelenke und gerade Knie überlastet sind.  Ja , ist Kacke, aber Zähne zusammenbeißen und noch durchhalten, ist ja bald vorbei.

Aber das … unmöglich. Die Schmerzen fühlten sich so an, als ob jeden Moment irgendwas so reißen könnte, dass für Jahre mit Ski, Fahrrad und Wandern Essig sein würde.

OK, aber wir mussten ja irgendwie runter. Also hab ich ich versucht, im Gegensatz zu meiner sonstigen Gewohnheit, konsequent nur noch über das linke Knie abzusteigen und das rechte nur steif zu belasten. Komischerweise haben Torsionsbewegungen und gar kleine Sprünge noch funktioniert, aber wie gesagt, der Vorstieg mit Links war gar nicht mehr möglich. Oh Mann, und die Hütte kam nicht näher, die Zeit Schritt voran und meine mir angetraute Bergziege versuchte sich auf den Weg zu konzentrieren und nicht in die Verzweiflung abzugleiten.

Zwischendurch überholte uns Ramon, der leider den Gipfel des Maladeta nicht erreicht hatte und ein Pärchen aus Mazedonien, die mit Turnschuhen und leichter Bekleidung den Hang runter gehoppelt kamen. Sie hatte selbst eine Kniebandage um und wir improvisierten nun eine aus Astrids grünem Kopftuch, das die Kniescheibe mit einem festen Knoten so nach unten drückte, dass ich das rechte Bein zumindest wieder etwas einsetzen konnte.

Nun gut, anstatt der anvisierten Stunde haben wirs dann in 2,5 Stunden zur Hütte geschafft … boah was eine Erleichterung. Erstmal in der Hütte ein kaltes Dosenbier gekauft und das Leben gefeiert.

überlebt !

 

Schade, Selfie ohne Bier

Als wir dann noch im letzten Sonnenlicht gen 5, halb 6 vor der Hütte pausierten und unser Bierchen austranken, kamen noch 2 junge Finnen vom Berg, die morgens um 6 an dieser Hütte gestartet waren und nur wegen eines fehlenden Sicherungsseiles 50 m vorm Gipfel abbrechen mussten. 11 Stunden unterwegs … OK, Profis halt 😉

Bissi Smalltalk , Bier ausgetrunken und die letzte halbe Stunde wieder runter zum Parkplatz, leider auch etwas langsamer wegen des Knies.

Die ungefähre Route im Rückblick vom Parkplatz La Besurta

Irgendwann nach 18:00 saßen wir dann im Auto und sind erstmal runter ins Städtele nach Benasque gefahren, zweifelnd, ob wir in eine Krankenhaus oder zum Doc fahren sollten … oder einfach in ner Apotheke mit Bandagen eindecken.

Mit Bandage und Kytta-Salbe wurde dann erstmal eine Selbsttherapie eingeleitet.

Tja, wie sollte es weitergehen ? Wanderurlaub abbrechen ?

Jedenfalls hat uns die Maladeta ein wenig Demut gelehrt … noch mehr Training und evtl. eine cleverere Routenplanung. Aber immerhin fast 900 hm hoch und wieder runter und eine schöne Aussicht gehabt, das ist auf jeden Fall was wert.

Wie gings weiter ?

Das erfahrt ihr in einer neuen Folge 😉

LG Jorge y Astrid

PS : Eben noch im Netz gefunden , jetzt weiß ich was wir falsch gemacht haben ! Man muss einfach nur im Winter da hoch, dann rutscht man da einfach mit TourenSkiern den Berch hoch 😉

 

REISELOG: PYRENÄEN 2017 Teil 6 – Benasque

Hallo liebe Gemeinde,

am nächsten Tag traten wir den nächsten Teil unserer Reise an und fuhren nach Benasque in Spanien, in der Nähe des Maladeta-Massivs, welches den höchsten Berg der Pyrenäen beherbergt.

Wie  man auf der (hoffentlich) angezeigten Google-Maps-Karte sehen kann, ließen sich die rund 55 km Luftlinie nicht einfach so fahren sondern es gab ein heftiges Geschnörkel über Passsträßchen bis zum nächsten Zielort. Einmal S-förmig um unsere Urlaubsgebiete drumrum.

Interessant war, dass wir nach dem ersten großen Schnörkel ungefähr bei Bielsa während einer kurzen Mittagspause am Bach unserer vorherigesWandergebiet von Süden fotografieren konnten, sozusagen der Blick zurück hoch zur Breche de Roland, dem Monte Perdido und Pic du Marbore als „Rückwand des Circque de Gavarnie.

Links die Vignemale, ansonsten Brech und Cirque von Süden

Ok, jetzt wo ich weiß, dass man hier im WordPress Google-Karten einbetten kann, mach ich gleich mal weiter 😉

 

Unten Links ist das Örtchen Benasque, übrigens trotz seines eindeutig Touristischen Charakters echt richtig schön. Hier scheint es eine Vorschrift zu geben, dass neue Gebäude, z.B. Läden, Hotels etc. dem Naturstein-Stil zu folgen haben, also fehlt zum Glück der optische Bruch, der oft die kleinen Örtchen mit Betonburgen zu hässlichen Löchern verkommen lässt.

Unser Hotel liegt etwas ausserhalb auf einem Hügel mitten im Tal. Die Zufahrt war nicht einfach zu finden und es schlängelt sich nur ein kleines enges Sträßchen hinauf auf den Hügel. Auf deren Website scheint es auch ein Werbevideo von dem Laden und eine Galerie zu geben, daher hab ich mich mit eigenen Bildern zurückgehalten. Achja ein Drohnenvideo könnte ich mal einbetten :

Nun denn, angekommen und erstmal Eis und kaltes Bier auf der Terrasse genossen … und Pläne geschmiedet für den nächsten Tag.

Wenn man schonmal so nah am Maladeta-Massiv sind, dann müssen wir auch mal da hoch. Der höchste Berg der Pyrenäen ist der dort befindliche Aneto und den wollten wir uns mal aus der Nähe anschauen. Dass wir die 3000er-Marke knacken könnten und wenigstens bis zum Gletscher vordringen würden, war der Ansporn.

Aber dies, im nächsten Teil 😉

 

REISELOG: PYRENÄEN 2017 Teil 5 – Cirque de Troumouse

Der Cirque de Troumouse  oder „the day after“

An unserem Hochzeitstag und nach unserem Rolandsabenteuer hatten wir uns mal was einfaches vorgenommen, nämlich den Besuch des zweiten der 3 berühmten Cirques im Gebiet der Haute-pyrennes. Der  Cirque de Troumouse ist mehr eine felsenumschlossene Hochebene von so rund 4km Durchmesser, die im Gegensatz zum C.d.Gavarnie durch ihre Weitläufigkeit besticht. Eigentlich sieht es so aus als würden jeden Moment die Rohirrim um die Ecke galloppiert kommen, also Klein-Rohan (wer sich noch an Herr der Ringe erinnern kann)

Der Weg dorthin, wieder einmal über scheinbar endlose Serpentinen bis auf ca. 2200 m Höhe, wurde durch Schafherden auf der Strasse noch weiter entschleunigt. Die Schafe hier oben werden übrigens hauptsächlich mit dem Peugeot gehütet. Border Collies (die die Schafe AUS dem Püschot heraus anstarren) gibts zwar auch, aber die typischen Bergers haben wir leider nicht gesehen, die gibts wohl nur noch in Deutschland (Gruß an die Rückis an dieser Stelle).

Zurück zum Troumouse, wir wollten eine Art Rundwanderung machen, die aber, wie so oft hier, nur am Anfang gut beschildert ist. Danach sind die Schilder einfach weg und man muss sich selbst orientieren. Das Gute ist, es gibt nur einen Ausgang. Allerdings ist das Gelände nicht so übersichtlich wie es tut. Viele Hügel, Taleinschnitte und Höhenzüge zergliedern den Kessel. Wir sind also mal wieder nach Gefühl durch die Gegen gestapft und haben versucht uns an plötzlich erscheinenden und wieder verschwindenden Trampelpfaden zu orientieren. Eigentlich ein riesiger Rohanartiger Spielplatz mit 5 km Durchmesser. Die Besucher, die im Laufe des Tages mehr wurden, verlaufen sich recht gut und man kann Menschen oft erst nach längerem Hinschauen erkennen.

Trotzdem war die Stimmung gedämpft, irgendwie hatten wie einen emotionalen Kater von zu viel Glückshormonen von der Breche und die körperlichen Strapazen waren auch noch spürbar. Zudem hat Astrid irgendwann als wir zum Abschluss auf einen Hügel  mit einer Marienstatur geklettert sind, gesehen, dass da ein Wasserfall war, den sie unbedingt angucken wollte. Jörg wollte nicht und zog es vor Fotos  am Bach zu machen.

Nach neunjähriger Ehe und zwanzigjähriger Beziehung ist das aber kein Problem, man trennt sich (am Hochzeitstag 😉 ) und jeder geht seinen Interessen nach. Als wir uns wieder trafen war die Stimmung wieder gut, wir konnten unsere Abenteuer berichten (Österreicherinnen die Pilates auf Felsen machen), und durch den eiskalten Bach waten.

s´ Mariesche

Unser Plan war unseren Hochzeitstag nach der Wanderung im Refuge mit ordentlich Crepes, Eis, Bier oder Wein zu feiern. Wir wussten das Refuge hat geöffnet, schon das eine Besonderheit im Oktober. Soweit der Plan. Die Realität bestand aus einem Franzosen, der aussah wie ein Tavernenwirt bei Asterix, vielleicht noch gekreuzt mit einem Monchichi, klein, wuschelig, dick, spitze Nase. Er war nicht direkt unfreundlich hatte aber wohl keine Lust auf Gäste. Nichts von den Dingen, die auf der Karte standen (und wir hatten sie vorher studiert und uns darauf gefreut) konnte er uns bringen. Es gab nur Stieleis aus der Packung und abgelaufenes Bier. Dafür war es wenigstens teuer (14 Euro für zwei Bier und zwei Magnum). Jaja, die Erlebnisgastronomie.

Apropos Erlebnisgastronomie … auf dem Weg sind wir schon einige Male an so einem kleinen Steinhäuschen an der Landstrasse vorbeigekommen, in dem regionale Produkte verkauft wurden. Heute dachten wir, kaufen wir mal ein paar leckere Sachen dort ein. Die freundliche Verkäuferin geleitete uns für die Käse und Weinauswahl in eine rustikale Hütte nebenan und ich dongte mir am niedrigen Eingang so dermaßen die Rübe an, dass es mich nach hinten umschlug. Schwarz vor Augen, das Gefühl als hätte mich ein Pferd getreten sass ich erstmal benommen auf dem Poppes, während die Verkäufern und mein liebend Weib mich versuchten wieder auf die Beine zu bekommen…
Astrid: Das war schon echt skurril, eben war er noch neben mir und auf einmal weg, tat mir zwar Leid war aber schon ein bisschen witzig

Zum Glück fuhr Astrid weiter, ich war echt zu benebelt für alles weitere. So haben wir den Tag dann im Hotelgarten ausklingen lassen.

LG von Astrid et Jeurge

REISELOG: PYRENÄEN 2017 Teil 4 – Breche de Roland

Das Refuge

So, Breche de Roland … weiter gehts, alle Hotelbewohner sind wohl noch Essen, das heißt die Internetzleitung sollte wieder Bilduploads zulassen.

Wo waren wir ? Ach ja, beim Refuge zur kleinen Stärkungspause.

Ok, die Schotterhalde wird mit ca. 45 Minuten Weg angegeben … dann mal los, dass wir es noch vor der „Rückkehrzeit“ schaffen. Besagte Schotterhalde muss restliches Geschiebe vom einstigen Gletscher gewesen sein und ja, es fühlt sich an, also würde man einen riesigen Kieshaufen hochrutschen wollen … mit Gepäck und dünner Luft, hier musste ich schon das ein oder andere mal laut fluchen. So tolle Bergschuhe und es nützt bei sowas gar nix, grrrr.

Endlich, gute 40 Minuten später noch ein angenehm leichter Felsübergang und dahinter … ein Gletscher … aber zum Pech wegen des Klimawandels und zum Glück für uns nur klein und wir wagten es vorsichtig auch ohne spezielle Ausrüstung darüber zu stapfen.

Mal übern Gletscherchen gelaufen

Und weiter, übers Geröll noch ca. 15 Minuten Anstieg und herrjee, schon wieder dieser Wind ! kurz vor der Bresche pfiff es wieder , als wollte jegliche Luft der Gegend jetzt unbedingt durch das Ding da durch.

La Breche (warum da ein Stück Schlauch liegt ? keine Ahnung)

Tolles Gefühl da zu sein, das Ziel erreicht zu haben, aber wir sind schnell durch und haben uns einige Meter unterhalb auf der Südseite, also wieder in Spanien einen großen Felsbrocken als Windschatten gesucht und erstmal den Ausblick genossen.

Hallo Spanien !

Wie geil.

Blick nach Osten
Blick nach Westen
Und der Blick zurück in den französischen Norden

Im Windschatten haben wir dann erstmal schön Päuschen in der prallen Sonne gemacht, aber rechts und links neben dem Felsbrocken wars echt stürmisch. Hab mich nur kurz zum Fotografieren rausgetraut und fast blind mit der Fotomaschine abgedrückt. Fühlte sich an, als wenn man das bei 100 Klamotten im Spätherbst aus dem Autofenster versucht.

Päuschen im Windschatten

Aber, hilft ja alles nix, man will ja lebend wieder runter kommen und daher war dann um 13:00 Uhr Abstieg angesagt. Es gibt übrigens auch Routenempfehlungen, die dann von dort aus in Richtung Westen den Aufstieg auf den Pic Taillon empfehlen. Mit etwas höherem Fitnessgrad und evtl. eingeplanter Gehzeit plus 2,5 Stunden könnte man hier mal eben einen 3000er Gipfel mitnehmen. Was wir natürlich nicht mehr taten 😉

Ja, die elende Schotterhalde … runterzus ist sowas ja meist noch blöder … naja, wenigstens bestand die Hoffnung, dass wenn man richtig ins Rutschen kommt, unten die Geröllhalde vorm Refuge einen aufhält und nicht über den Rand des Cirque stürzen lässt, juhuu.

Die Oberkante de Cirque nochmal besser beleuchtet und mit Wasserfall

Auf dem Rückweg war der Cirque besser im Nachmittagslicht bestrahlt, also hier erstmal Fotobreak am Refuge, was gefuttert und dann gings weiter abwärts.

Erschöpft aber sicher und wohlgemut schafften wir den Abstieg den selben Weg wieder zurück und saßen dann um 16:30 wieder im Auto und fuhren zurück in unser Hotellchen. Genug Natur für heute.

Yay !

Bis zum nächsten Mal, Aux Reservoir, Astride et Jeurge

 

 

REISELOG: PYRENÄEN 2017 Teil 3 – Breche de Roland

Ha, am Tag nach dem Pic du Midi war dann doch erstmal chillen angesagt. Schließlich ist ja irgendwie auch Urlaub 😉

Also, spät aufstehen, lang frühstücken, Postkarten schreiben, das Städtchen Luz erwandern … Burch anschauen … Templer-Kirche … Fleisch kaufen und abends mal ordentlich futtern.

Praktisch war, dass wir ja so eine Art Ferienappartment mit eigener Küche hatten, also Essensmäßig autark.

Hotel Le Chili neben einer kleinen Kapelle
Die Burg
Ich sag nur „Lage, Lage,Lage“ !
Auf dem kleinen Marktplätzchen
Auf dem kleinen Marktplätzchen

 

OK, aber das interessiert ja eigentlich kaum jemanden oder ? Daher , genug Werbung für Luz, am folgenden Tag gings ans Eingemachte, eine ordentliche Hochtour mit Schwierigkeitsgrad.

Die Breche de Roland ist eine Felsscharte auf 2807 m in der Felswand hinter dem Circque de Gavarnie. Gesehen hatten wir sie aufgrund der Steilheit von unten nicht, aber auf dem Foto vom Pic du Midi konnte man sie schon sehen. Die Scharte ist 40 m breit und wird von hohen Felswänden umrahmt. Der Legende nach sollte hier der Held Roland im Auftrage von Karl dem Großen eigentlich die Sarazenen auf die Mütze hauen, aber hieb stattdessen sein dickes, dickes Schwert in den Felsen … nunja …

Da die Normaltour von Gavarnie aus durch den Cirque zum Refuge de Breche langstreckig und extrem höhenmetrig ausgelegt ist, wäre hier meist eine Übernachtung im Refuge einzuplanen gewesen. Da das Refuge aber sowieso wegen Umbaus geschlossen hat, bevorzugten wir den Weg vom Col de Tentes , einem Parkplatz am Ende einer Skipistenzubringerstrasse auf ca. 2200 m bis zur Breche, also an einem Tag schaffbar.

Die Strasse zum Col war schon ein Erlebnis, steile Serpentinen, vorbei an einer riesigen Marienstatue auf einem Felsen … mal wieder Morgensonne ohne ein Wölkchen im Hochgebirge … das sah nach einer Serie aus.

Am Parkplatz angekommen, gings erstmal ein halbes Stündchen auf einem einfachen Fußweg gegenüber unseres Zielgebietes zum Port de Bucharo , einem Sattel zwischen zwei Bergen der auf den ersten Blick easy aussah. Als wir um die letzte Ecke auf die Freifläche des Sattels kamen, brach auf einmal ein Wind los, den wir bei dem friedlichen Morgenwetter so abrupt nicht erwartet hätten ! Lustigerweise führt über diesen Sattel auch die Grenze nach Spanien und während wir, verblüfft vom Wind mal über die Grenze lunsten, blies es doch prompt Astrids Mütze „nach drüben“ ! Erstmal 100 m hinterhergehechtet, fast ein paar entgegenkommende Pilger mit Bordercollie umgerannt, aber zum Glück die Mütze noch wiedergefunden. Wow, offene Grenzen sind doch was feines 😉

So erhaschten wir einen ersten Blick in den Nationalpark Ordesa y Monte Perdido, der sich auf der spanischen Seite befindet.

OK, wieder gut bemützt und gegen den Wind gestemmt kämpften wir uns wieder heldenhaft zurück nach Frankreich und begannen mit dem sanften Aufstieg auf der anderen Talseite, also quasi wieder gegenüber unseres Ausgangspunktes am Parkplatz. Genauso überraschend wie der Wind gekommen war, so schnell war er auch wieder verschwunden. Die V-förmige Anordnung der beiden Berge haben zum Sattel hin einfach eine Art Düse gebildet, schätzungsweise 60-80 km/h schnell und morgens um 9 noch mit fiesem Windchill.

Mit stetigem aber sanften bis leicht anspruchsvollem Anstieg gings weiter unterhalb des Pic du Taillon bis zu einer Bresche zwischen diesem und dem Pic des Sarradets.

Yeah, über Geröll, Felsen, ein steiler Anstieg durch Bäche und Wasserfälle mit 4-Fuß-Antrieb … erste große Herausforderung auf diesem Wege, über uns der Glacier du Taillon, ein kleiner Restgletscher.

Hat viel Spass gemacht, aber irgendwann wars auch mal schön, endlich den Sattel erreicht zu haben und um die Ecke das Refuge des Sarradets auf 2587m zu erblicken, wie das Ding wohl korrekt heißt.

Erstmal Päuschen ein paar Meter neben dem Haus, das eingezäunt und eindeutig Baustelle ist. In eine Richtung der Blick auf den oberen Teil des Gavarnie-Wasserfalles gegenüber und seinen speisenden Gletscher unterhalb des Pic du Marbore … schon abgefahren, wenn man weiß, dass es nach der Schutthalde vor unserer Nase verdammte 800 bis 1000 Meter strack runter in den Circque geht …

Bissi Dunkel, aber ich hoffe man kann im unteren linken Bereich den Wasserfall erkennen

Hinter uns der kleine Gletscher , besser ein Schneefeld im verschwinden begriffen und , ja, der Blick gen Süden , steil hinauf über eine mehrere Hundert Meter hohe Kieshalde ließ die Breche erkennen, über die der Höhenwind kleine Wölkchen im Affenzahn durchpeitschte oder drüberwirbelte.

Ui, die Länge dieses Berichts schreit natürlich passend zum Felsigen Ambiente nach einem … Cliffhanger !!! Der Bildupload klemmt grad, von daher :

Weiter gehts in Teil 4 😛

 

 

 

 

 

REISELOG: PYRENÄEN 2017 Teil 2 – Pic du Midi

Hallo, das Spanische Netz scheint heute abend ein wenig besser zu funzen, daher schreibe ich ein bisschen weiter.

Also, nach dem Wundervollen Cirque de Gavarnie haben wir uns gedacht, jetzt mal was höheres zu besteigen. Schwierigkeitsgrad niedrig (höhö), Höhenmeter moderat, Aussicht geil , das waren die Parameter.

Da wir wieder absolutes Kaiserwetter hatten (darf man das in Frankreich sagen ?) fuhren wir früh morgens zum Col de Tourmalet, ein Pass in fast 2200 m  Höhe, wohl einer der höchsten Strassenpässe in Frankreich oder gar Europa und vor allem ein Pilgerparadies für Bike-Verrückte. Hier findet wohl immer die fieseste Bergetappe der Tour de France statt.

Interessanter Tourenvorschlag von Google … hmm.

Schön, im Lichte der aufgehenden Sonne schraubten wir uns von Luz   ein gutes halbes Stündchen bis auf den besagten Pass hinauf und hatten das große Glück, dass so früh morgens kaum Radfahrer die engen Serpentinen blockierten und der Touri-Parkplatz so gut wie leer war. Fast. Ein paar Lamas sonnten sich in den ersten Strahlen, die den Pass beleuchteten … sehr skuril, etwas Andenfeeling kam kurz auf.

Ob die wohl die Radler anspucken ?

Unser eigentliches Ziel aber war der Pic du Midi de Bigorre, mit 2800-paar-und-sechzig Metern ein prominent stehender Berg der in Richtung Norden keinerlei ernstzunehmende Konkurrenz zu befürchten hat und dementsprechend eine gigantische Aussicht über den Süden Frankreichs bietet. Berichten zufolge soll man angeblich von dort aus sogar den Leuchtturm von Biarriz am Atlantik sehen können und die Berge des Zentralmassivs mit den hohen Spitzen in der Auvergne … na super … klingt doch lohnend.

Ja, zuerst sah der Weg vom Parkplatz nach oben zum Fuße des Pic  aus, als wäre es DER Weg zum Pic … als wir uns dann einige Zeit später über die etwas sonderbaren Wegauszeichnungen zu wundern begannen und irgendwann realisierten, dass es sich hierbei nur um Skipisten-Bezeichnungen handelte, war es schon zu spät.

Blic zum Pic (rechts im Bild der „Umwegberg“

Auf   dem Wege knapp am Gipfel des Pic du Tourmalet vorbei,  beschlossen wir : Niemals aufgeben, niemals kapitulieren ! Und liefen weiter in die Richtung, die Karte und Kompass uns zum Dicken Pic du Midi leiten sollte.

Der Umweg itself, vorbei am Gipfelgrat des Pic du Tourmalet

Nun ja, die Spärlichkeit der Wegauszeichnungen ging nahtlos in deren Nichtvorhandensein über und so kämpften wir uns um den kleinen Kackberg auf Ziegenpfaden, von Murmeltieren bedroht über Geröllfelder, bis wir dann mit einer leichten Verzögerung endlich am Fuße des Pic du Midi ankamen.

Wilde Raubtiere !!!

Nach dem Technikteil also nun der Ausdauerteil. 500 Höhenmeter in praller Mittagssonne ohne jeglichen Schatten an der Südseite des Pic hochserpentinieren hatte schon was besonderes. Als dann die letzten 150 m der geröllige Anstieg begann pumpte ich mich, immer den Film Everest im Kopf, Schritt für Schritt langsam herauf während Frau Gazelle düpdidüp den Gipfel hinauf hüpfte und mal wieder die üblichen 10 Minuten Vorsprung hatte.

20m unterhalb des Gipfels gab es einen schönen Aussichtsplatz, den wir zur Rast nutzten und Südfrankreich von oben beglotzen, aber auch die Weite des Gebirges in uns aufnahmen, wir erkannten die Felsformationen des Cirque, sahen die Breche de Roland (kommt später noch ) und sogar die Gletscher der Maladeta (kommt auch später noch 😉

Panorama vom Pic

Ganz ehrlich, der Gipfel selbst sieht Scheisse aus … vollgestopft mit Antennentechnik, 38 Euro Eintritt nur wenn man auf den Pott will und das faule Touripack, dass sich mit der Seilbahn da hoch schippern lässt … pah. Aber die Aussicht ist toll, lohnt sich definitiv.

Ein paar Meter unterm Gipfel reichen wie man sieht
Der Blick rein ins Gebirch. Hinten rechts kann man den Cirque und sogar die Breche de Roland erkennen

Und wenn man den richtigen Zugangsweg, also eine breite Fahrstrasse benutzt, dann gehts auch gleich viel leichter.

Den Weg nahmen wir zurück zum Auto und mussten uns erstmal durch dutzende Biker und Touris quetschen, die alle Selfies oder andere Faxen-Fotos mit der Radlerstatue auf der Passhöhe machen mussten und damit den kompletten Verkehr blockierten.  Auch wurde der Rückweg nach Luz etwas durch einen viel zu alten Franzosen massiv entschleunigt, der die Serpentinen soooo langsam fuhr und dabei brav jegliche Überholmöglichkeiten blockierte … zum Glück konnten wir kurz vor einer Kuhherde endlich überholen. Diese wurde übrigens vom Auto aus die Strasse heruntergetrieben, der Kuhhirte fuhr gemächlich neben der Herde im klapprigen Kastenwagen her … jaja …da erlebt mer was …

Und so kehrten wir zufrieden und glücklich über unseren ersten 2800er in unser kleines feines Hotel in Luz zurück und setzten uns mit kühlem Biere in den Parkähnlichen Garten des Etablissements …

schee wars … aber der Gedanke reifte in uns, am nächsten Tage wieder in Richtung Gavarnie aufzubrechen und uns die Breche de Roland vorzunehmen, ein richtiges Abenteuer ! (wahrscheinlich)

aber davon erzählt eine andere Geschichte, oder ein Blog-Artikel, je nachdem.

Tschööö oder Tscheu  wie man hier schreibt, Astride et Jeurge

 

 

 

 

 

REISELOG: PYRENÄEN 2017 Teil 1 – Auvergne und Circque de Gavarnie

Hallo liebe Leute, um mal wieder mit euch zu teilen, was Astrid und ich neben Arbeiten, Bauen, Leben und so weiter tun, hier ein kleiner Reisebericht zu unserer aktuellen Tour durch die Pyrenäen. Letztes Jahr sind wir ja ganz im Osten daran vorbeigefahren auf dem Weg nach Barcelona und waren schon fasziniert von dem Teil des Gebirges, also nahmen wir uns vor 2017 hier hinzufahren.

Gesagt getan, frisch geölwechselt und beauspufft starteten wir die Rote Rumänen-Rakete in Richtung Frankreich und landeten … in Clermont-Ferrand am Rande des Zentralmassivs … Gut, nicht ganz in den Pyrenäen, aber wir wollten die Strecke von ca. 1500 km etwas aufteilen und hatten so 2 Zwischenübernachtungen dort im Hotel mitten in der Stadt gebucht.

Blick vom Puy-de-Dome

Als kleines Urlaubs-Einstiegs-Schmankerl hatten wir uns vorgenommen, den Puy-de-Dome zu besteigen, einen fast 1500 m hohen ehemaligen Vulkan direkt oberhalb der Stadt, mitten in der Auvergne und quasi neben dem Werbevulkan fürs Volvic-Wasser.

Trotz trüben Wetters und Regen hatten wir eine wundervolle Aussicht über die Chaine-des-Puys, die Vulkankette der Auvergne und die Stadt. Übers Loire-Tal hinweg sollte man bei schönem Wetter auch den Mont-Blanc sehen können .. naja … war nix. Also dann wenigstens noch ein Selfie mit dem Volvic-Vulkan.

Abends sind wir dann noch an der großen Notre-Dame vorbei und haben in die Sonntagsmesse reingelunst und die letzte Stunde mal so ne richtige Messe mitbekommen. Für mich als Ex-Katholiken und meine Protestanten-Konkubine echt ein Erlebnis 😉

Notre-Dame de Dingsda

So, aber genug vom Zwischengeplänkel ! Butter bei die Fische und ab ins Gebirge !!!

Unser nächstes Ziel ist das kleine Städtchen Luz-Saint-Saveur, welches sich lieblich in ein Gebirgstal ca. 30 km südlich von Lourdes einschmiegt. Zur Hauptsaison sicherlich die Tourihölle, aber wie man später sehen wird, vollkommen zu Recht. Das Städtchen liegt günstig an der Kreuzung zum Col du Tourmalet, laut Reiseführer eine Legende für Radsportler der Tour de France und dem Weg in die berühmten Cirques, bombastische Gletschertröge inmitten der höchsten französischen Gipfel der Haute-Pyrenneés.

Schönschön, einquartiert am Rande des Städtchens im kleinen, aber feinen Hotel „Le Chili“ planten wir für den nächsten Morgen das französische Ultrahighlight und must-have-seen schlechthin etc. etc. zu erwandern : Den Cirque de Gavarnie !

Und ja, Millionen von Franzosen scheinen vollkommen Recht zu haben, dieses Naturwunder ist wirklich der Oberhammer. Im frühmorgendlichen Sonnenlicht fuhren wir ca. 20 Minuten über ein Bergsträsschen immer weiter aufwärts um dann im kleinen Ort namens Gavarnie einen ersten Blick auf den Cirque aus einiger Entfernung werfen zu dürfen.

Postkartenkitsch vom feinsten

Zuerst ist es schwierig sich die Dimensionen klar zu machen, man steigt zur Wanderung bei ca. 1400 m einige Kilometer vor dem eigentlichen Cirque ein und erreicht nach ca. 1 Stunde ein Ausflugslokal auf ca. 1550 m  Höhe, der einen Bombastischen Blick in diesen Talkessel bietet. Die Felswände rundherum steigen Steil an auf bis über 3000m, also hat man rund 1400 m hohe Steilwände um sich herum. Hinzukommt, dass sich von der Flanke des höchsten Gipfels ein Wasserfall über 422 m herunterstürzt.

Mittags im Circque , links der Wasserfall mit 422m (!)

Anfangs hatten wir kaum Sonnenlicht im hinteren Teil des Kessels, aber im Laufe der nächsten Stunden veränderten sich hier immer wieder die Eindrücke, bis dann auch die Nachmittagssonne den Wasserfall und das zerstäubende Wasser beleuchten konnte.

So ein Cirque entsteht durch Gletschererosion, d.h. hier hat sich das abfliessende Gletscherwasser einen tiefen Trog ins Gestein gegraben.

Die Wanderung selbst war gar nicht so anspruchsvoll, 1h in den Cirque, dann darin selbst herumwandern, unterm Wasserfall, über ein Restschneefeld und dann auf einem Hang gegenüber gemütlich in der Sonne schillen … herrlicher Tag. Hunderte von Fotos gemacht … aber zum Schluss nchmal eins mit dem Handy von der Terasse der kleinen Hütte mit lecker Crepe und Eis.

Noch ein letzter Blick zurück beim lecker Crepe futtern

Für den nächsten Tag hatten wir uns dann die Eroberung des Pic du Midi du Bigorre vorgenommen. Darüber dann mehr im 2. Teil.

LG von Astride et Jeurge