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REISELOG: PYRENÄEN 2017 Teil 2 – Pic du Midi

Hallo, das Spanische Netz scheint heute abend ein wenig besser zu funzen, daher schreibe ich ein bisschen weiter.

Also, nach dem Wundervollen Cirque de Gavarnie haben wir uns gedacht, jetzt mal was höheres zu besteigen. Schwierigkeitsgrad niedrig (höhö), Höhenmeter moderat, Aussicht geil , das waren die Parameter.

Da wir wieder absolutes Kaiserwetter hatten (darf man das in Frankreich sagen ?) fuhren wir früh morgens zum Col de Tourmalet, ein Pass in fast 2200 m  Höhe, wohl einer der höchsten Strassenpässe in Frankreich oder gar Europa und vor allem ein Pilgerparadies für Bike-Verrückte. Hier findet wohl immer die fieseste Bergetappe der Tour de France statt.

Interessanter Tourenvorschlag von Google … hmm.

Schön, im Lichte der aufgehenden Sonne schraubten wir uns von Luz   ein gutes halbes Stündchen bis auf den besagten Pass hinauf und hatten das große Glück, dass so früh morgens kaum Radfahrer die engen Serpentinen blockierten und der Touri-Parkplatz so gut wie leer war. Fast. Ein paar Lamas sonnten sich in den ersten Strahlen, die den Pass beleuchteten … sehr skuril, etwas Andenfeeling kam kurz auf.

Ob die wohl die Radler anspucken ?

Unser eigentliches Ziel aber war der Pic du Midi de Bigorre, mit 2800-paar-und-sechzig Metern ein prominent stehender Berg der in Richtung Norden keinerlei ernstzunehmende Konkurrenz zu befürchten hat und dementsprechend eine gigantische Aussicht über den Süden Frankreichs bietet. Berichten zufolge soll man angeblich von dort aus sogar den Leuchtturm von Biarriz am Atlantik sehen können und die Berge des Zentralmassivs mit den hohen Spitzen in der Auvergne … na super … klingt doch lohnend.

Ja, zuerst sah der Weg vom Parkplatz nach oben zum Fuße des Pic  aus, als wäre es DER Weg zum Pic … als wir uns dann einige Zeit später über die etwas sonderbaren Wegauszeichnungen zu wundern begannen und irgendwann realisierten, dass es sich hierbei nur um Skipisten-Bezeichnungen handelte, war es schon zu spät.

Blic zum Pic (rechts im Bild der „Umwegberg“

Auf   dem Wege knapp am Gipfel des Pic du Tourmalet vorbei,  beschlossen wir : Niemals aufgeben, niemals kapitulieren ! Und liefen weiter in die Richtung, die Karte und Kompass uns zum Dicken Pic du Midi leiten sollte.

Der Umweg itself, vorbei am Gipfelgrat des Pic du Tourmalet

Nun ja, die Spärlichkeit der Wegauszeichnungen ging nahtlos in deren Nichtvorhandensein über und so kämpften wir uns um den kleinen Kackberg auf Ziegenpfaden, von Murmeltieren bedroht über Geröllfelder, bis wir dann mit einer leichten Verzögerung endlich am Fuße des Pic du Midi ankamen.

Wilde Raubtiere !!!

Nach dem Technikteil also nun der Ausdauerteil. 500 Höhenmeter in praller Mittagssonne ohne jeglichen Schatten an der Südseite des Pic hochserpentinieren hatte schon was besonderes. Als dann die letzten 150 m der geröllige Anstieg begann pumpte ich mich, immer den Film Everest im Kopf, Schritt für Schritt langsam herauf während Frau Gazelle düpdidüp den Gipfel hinauf hüpfte und mal wieder die üblichen 10 Minuten Vorsprung hatte.

20m unterhalb des Gipfels gab es einen schönen Aussichtsplatz, den wir zur Rast nutzten und Südfrankreich von oben beglotzen, aber auch die Weite des Gebirges in uns aufnahmen, wir erkannten die Felsformationen des Cirque, sahen die Breche de Roland (kommt später noch ) und sogar die Gletscher der Maladeta (kommt auch später noch 😉

Panorama vom Pic

Ganz ehrlich, der Gipfel selbst sieht Scheisse aus … vollgestopft mit Antennentechnik, 38 Euro Eintritt nur wenn man auf den Pott will und das faule Touripack, dass sich mit der Seilbahn da hoch schippern lässt … pah. Aber die Aussicht ist toll, lohnt sich definitiv.

Ein paar Meter unterm Gipfel reichen wie man sieht
Der Blick rein ins Gebirch. Hinten rechts kann man den Cirque und sogar die Breche de Roland erkennen

Und wenn man den richtigen Zugangsweg, also eine breite Fahrstrasse benutzt, dann gehts auch gleich viel leichter.

Den Weg nahmen wir zurück zum Auto und mussten uns erstmal durch dutzende Biker und Touris quetschen, die alle Selfies oder andere Faxen-Fotos mit der Radlerstatue auf der Passhöhe machen mussten und damit den kompletten Verkehr blockierten.  Auch wurde der Rückweg nach Luz etwas durch einen viel zu alten Franzosen massiv entschleunigt, der die Serpentinen soooo langsam fuhr und dabei brav jegliche Überholmöglichkeiten blockierte … zum Glück konnten wir kurz vor einer Kuhherde endlich überholen. Diese wurde übrigens vom Auto aus die Strasse heruntergetrieben, der Kuhhirte fuhr gemächlich neben der Herde im klapprigen Kastenwagen her … jaja …da erlebt mer was …

Und so kehrten wir zufrieden und glücklich über unseren ersten 2800er in unser kleines feines Hotel in Luz zurück und setzten uns mit kühlem Biere in den Parkähnlichen Garten des Etablissements …

schee wars … aber der Gedanke reifte in uns, am nächsten Tage wieder in Richtung Gavarnie aufzubrechen und uns die Breche de Roland vorzunehmen, ein richtiges Abenteuer ! (wahrscheinlich)

aber davon erzählt eine andere Geschichte, oder ein Blog-Artikel, je nachdem.

Tschööö oder Tscheu  wie man hier schreibt, Astride et Jeurge