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REISELOG: PYRENÄEN 2017 Teil 7 – Maladeta und Aneto

An diesem Tage lernten wir die Macht des Hochgebirges am Maladeta-Massiv kennen.

Wir starteten auf dem Parkplatz bei La Besurta, was im Prinzip nur eine Grillhütte mit Klo zu sein scheint, also nicht einmal mehr eine Ortschaft.  Die „richtige“ Straße endete schon einige Kilometer zuvor bei El Hospital.

Weiter ging ein abenteuerlich holpriger Feldweg bis zur Besurta. Hier stand man schon direkt unter der Nordseite des Maladeta, mit Blick auf die Gipfel rund um den Pico de Maladeta und die darunterliegenden Gletscher. Leider war der Aneto von hier aus noch nicht zu sehen. Wir machten uns an den Aufstieg zum Refugio de la Renclusa . Easy , 40 Minuten , kein Problem und ein schonmal ein vielversprechender Ausblick. Ich sehe grad, die haben auch eine Website mit Webcam .

Hoch zur Renclusa

Von dort aus hatten wir grob den Portillion Superior angepeilt, weil es hier wohl den Hauptweg (höhö) in Richtung der großen Gipfel geben soll

Geröll fast ohne Wegmarkierungen
Stunden später kurz vorm Sattel zum Portillion

Nun, die Spanier sind im Vergleich zu den Franzosen seeehr sparsam mit ihren Wegmarkierungen und so hatten wir eine ziemliche Kletterarbeit über steil ansteigendes Geröll mit Wasser und Eis vor uns … selbst ein „Profi“ mit GPS-Tracker, Ramon aus La Coruna, auf dem Weg zum Maladeta-Gipfel begegnete uns öfters, verzweifelt nach dem Weg suchend.

Es war extrem anstrengend die ganzen dicken Boller heraufzuklettern und ständig weiter nach dem Weg Ausschau zu halten. Ungefähr 1 Stunde später begegnete uns der Profi aus La Coruna schon wieder, immer noch nach seinem Weg suchend, an seinem Garmin zweifelnd und langsam die Hoffnung auf den rechtzeitigen Gipfelsturm aufgebend. So war es auch für uns interessant, dass der vermeintlich gut einsehbare Hang dann doch so unübersichtlich war, dass wir den Kollegen Bergsteiger trotz bunt leuchtender Klamotten in der Zwischenzeit gar nicht mehr gesehen hatten … die Dimensionen am Berg sind schon echt sonderbar … vor allem wenn man sich später nochmal die Fotos anschaut, wenn das Weitwinkelobjektiv zwar viel vom Objekt und der Landschaft einfängt aber dann doch die Dimensionen irgendwie klein staucht („Sieht doch gar net so dramatisch aus „).

Erstmal Päuschen

Nunja, nach einem Päuschen um ein wenig den Überblick zu gewinnen, entschlossen wir uns dazu, den Sattel des Portillion zu überschreiten und uns an dessen Ostflanke ein hübsches Plätzchen mit eventueller Sicht auf den Aneto zu suchen.

Das klappte erstaunlicherweise auch ganz gut, trotz weiter schwierigen Geländes konnte man sowas wie einen Weg erahnen und uns trieb die Neugier immer weiter vorwärts … wann würden wir endlich um die „Ecke“ blicken können , auf den King of the Pyrenees.

Und endlich, irgendwann gen halb 2, also knapp vor der Umkehrzeit, erreichten wir eine letzte Kuppe mit einladend flachen Sitzgelegenheiten mit fantastischem Blick auf den Gipfel samt Gletscher in der gleißenden Mittagssonne.

Ihro Majestät, zum greifen nah
Aussicht genießen, Mittagspause und Fotos machen

Unser Pausenplätzchen müsste nach widersprüchlichen Angaben von Trackern auf dem Handy und meiner kleinen GPS-gefeatureten Kompaktkamera irgendwo unterhalb des Portillion Inferior gewesen sein, in einer Höhe von rund 2750 m. Unser Ziel, die 3000er Marke zu erreichen oder gar das Schneefeld vorm Gipfel hätte nochmal eine Menge Kraft und Zeit gekostet, mit 4,5 Stunden Aufstieg bis zu diesem Punkt wäre es extrem Risikoreich geworden, hier noch weiterzugehen. Aber wenigstens noch diese herrliche Aussicht, nicht nur in Richtung Aneto, sondern über einen großen Teil der hohen Pyrenäengipfel der Umgebung.

Der Gipfel

Just nachdem ich das 300er Tele aufgepflanzt hatte, knatterte plötzlich ein Rettungshubschrauber der Guardi Civil über uns hinweg und schien minutenlang etwas hinter dem Gipfel des Portillion Superior zu suchen. Dort schien irgendetwas passiert zu sein.

Rettungseinsatz ?

Dann sucht ich mit dem Tele noch ein wenig den Aneto-Gletscher ab und tatsächlich konnte man dort, rechts unter dem Gipfel auf dem Collado de Coronas ein paar fleißige Bergsteiger erkennen.

Ein paar Kraxler

Reeeespect Jungs, anerkennender Neid von uns 😉

Aber Dingdingding .. 14:00 Uhr !!! Umkehrzeit, schnell raus aus der Todeszone 😉

So machten wir uns wieder an den Abstieg, der über den Sattel wieder zurück auf den Hang oberhalb des Refuge führte. Leicht ermüdet, aber frohes Mutes ging alles gut bis wir das Refuge gut im Blick hatten und noch schätzungsweise 50-60 Minuten Absteig zur Hütte vor uns hatten. Dass es Anstrengend wird mit langen Schritten über die Felsblöcke nach unten zu steigen war klar, daher war ja auch unsere Rückkehrzeit festgelegt.

Dass allerdings soweit oberhalb der Hütte mitten im Hang auf einmal in meinem rechten Knie ein reißender Schmerz oberhalb des Meniskus das weiterklettern unmöglich machte, änderte die Situation erstmal völlig. Scheiße. Was tun ? vorsichtig weitermachen ? Selber nen Heli alarmieren ? Fuck ….

Man kennt ja die Schmerzen , wenn Gelenke und gerade Knie überlastet sind.  Ja , ist Kacke, aber Zähne zusammenbeißen und noch durchhalten, ist ja bald vorbei.

Aber das … unmöglich. Die Schmerzen fühlten sich so an, als ob jeden Moment irgendwas so reißen könnte, dass für Jahre mit Ski, Fahrrad und Wandern Essig sein würde.

OK, aber wir mussten ja irgendwie runter. Also hab ich ich versucht, im Gegensatz zu meiner sonstigen Gewohnheit, konsequent nur noch über das linke Knie abzusteigen und das rechte nur steif zu belasten. Komischerweise haben Torsionsbewegungen und gar kleine Sprünge noch funktioniert, aber wie gesagt, der Vorstieg mit Links war gar nicht mehr möglich. Oh Mann, und die Hütte kam nicht näher, die Zeit Schritt voran und meine mir angetraute Bergziege versuchte sich auf den Weg zu konzentrieren und nicht in die Verzweiflung abzugleiten.

Zwischendurch überholte uns Ramon, der leider den Gipfel des Maladeta nicht erreicht hatte und ein Pärchen aus Mazedonien, die mit Turnschuhen und leichter Bekleidung den Hang runter gehoppelt kamen. Sie hatte selbst eine Kniebandage um und wir improvisierten nun eine aus Astrids grünem Kopftuch, das die Kniescheibe mit einem festen Knoten so nach unten drückte, dass ich das rechte Bein zumindest wieder etwas einsetzen konnte.

Nun gut, anstatt der anvisierten Stunde haben wirs dann in 2,5 Stunden zur Hütte geschafft … boah was eine Erleichterung. Erstmal in der Hütte ein kaltes Dosenbier gekauft und das Leben gefeiert.

überlebt !

 

Schade, Selfie ohne Bier

Als wir dann noch im letzten Sonnenlicht gen 5, halb 6 vor der Hütte pausierten und unser Bierchen austranken, kamen noch 2 junge Finnen vom Berg, die morgens um 6 an dieser Hütte gestartet waren und nur wegen eines fehlenden Sicherungsseiles 50 m vorm Gipfel abbrechen mussten. 11 Stunden unterwegs … OK, Profis halt 😉

Bissi Smalltalk , Bier ausgetrunken und die letzte halbe Stunde wieder runter zum Parkplatz, leider auch etwas langsamer wegen des Knies.

Die ungefähre Route im Rückblick vom Parkplatz La Besurta

Irgendwann nach 18:00 saßen wir dann im Auto und sind erstmal runter ins Städtele nach Benasque gefahren, zweifelnd, ob wir in eine Krankenhaus oder zum Doc fahren sollten … oder einfach in ner Apotheke mit Bandagen eindecken.

Mit Bandage und Kytta-Salbe wurde dann erstmal eine Selbsttherapie eingeleitet.

Tja, wie sollte es weitergehen ? Wanderurlaub abbrechen ?

Jedenfalls hat uns die Maladeta ein wenig Demut gelehrt … noch mehr Training und evtl. eine cleverere Routenplanung. Aber immerhin fast 900 hm hoch und wieder runter und eine schöne Aussicht gehabt, das ist auf jeden Fall was wert.

Wie gings weiter ?

Das erfahrt ihr in einer neuen Folge 😉

LG Jorge y Astrid

PS : Eben noch im Netz gefunden , jetzt weiß ich was wir falsch gemacht haben ! Man muss einfach nur im Winter da hoch, dann rutscht man da einfach mit TourenSkiern den Berch hoch 😉